Recycling


Immer wieder spüre ich die Spannung zwischen der Sehnsucht nach Natur und Ursprünglichkeit einerseits, und der Abhängigkeit vom konsumgeprägten Leben andererseits.

Recycling wird zum Zauberwort, Metapher, zur alchemistischen Formel.
Nicht Müllverwertung, es geht um Auferstehung.
Denn siehe, es ist eine lebendige Welt. Die Materie ist durchströmt von Geist, jedes Teilchen ist voller Eigensinn.

Betrachten wir z.B. ein industriell gefertigtes Weinglas, eines wie das andere, 100 000fach gleich. Und wenn eines dieser Weingläser kaputt geht, wirft man es weg.

Nun da es einzigartig ist, wird es weggeworfen.
Dabei ist das Zerschlagen der vorgegebenen Form die Bedingung für neue Lebendigkeit, für die Rückkehr in den Zyklus des Lebens.

Kein Sand mehr, kein genormtes Stück mehr, jetzt ist Individualität entstanden,
durch Brüche, Verletzungen, Narben.
Der Geist im Glas wird sichtbar, nichts bricht so wie Glas und kein Stück Glas bricht genauso wie ein anderes. Jeder Bruch, jeder Sprung ist einzigartig, unberechenbar und voller Ausdruck.

Ich sehe den wilden Geist im Glas, blühende Wunden, schönen Schmerz und die Auferstehung zu einzigartigem Leben.
Da ist heilsame Schönheit im Müll industrieller Norm, jeder Bruch ein Ruf zum Aufstand gegen die Norm, ein Auf-Bruch, Ausbruch, oder Durchbruch, ein Mut-Sprung.

 

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